Tür 13

Mein sollst du sein!

Heute möchte ich Sie auf mein neues Buchprojekt aufmerksam machen. Es handelt sich wieder um einen Stalkerkrimi mit dem Arbeitstitel: Mein sollst du sein!


Leseprobe

 ... Ihr Bruder hat Recht, wenn er sagt, dass sie nicht nur zu Hause hocken, sondern wieder unter die Leute gehen soll. Sie weiß, er meint es nur gut. Aber musste er sie denn gleich zu einem Blind Date überreden? Einerseits hat sie selber schuld. Sie hätte nein sagen können. Andererseits hat er so lange auf sie eingeredet, bis sie seinem Drängen nachgab. Jetzt befindet sie sich in einem Lokal, das sie nicht kennt, und trifft sich mit einem Mann, über den sie nicht das Geringste weiß. Nicht einmal seinen Namen.

 

   Aus den Lautsprechern ertönt gedämpfte Musik. Es ist eines der unbekannten Klavierstücke, die gerne in Restaurants abgespielt werden, um die Gäste zu unterhalten.

 

   Ein großer, breitschultriger Mann mit schütterem Haar, dunklem Anzug, weiß-gestärktem Hemd und schwarzer Fliege nähert sich dem Tisch, an dem Judith sitzt. Ohne ein Wort stellt er vor ihr einen Teller, der mit einer Cloche bedeckt ist, ab.

 

   Sie ist irritiert. „Was ist das?“ Mmh ...Täuscht sie sich oder kitzelt ein leichter Duft köstlich riechender Speisen, die sie gar nicht bestellt hat, ihre Nase? „Ich habe ...“

 

   Der Kellner füllt eines der beiden eingedeckten Gläser mit Rotwein und antwortet: „Ihre Verabredung hat das Menü mit unserem Koch zusammengestellt.“ Nicht nur seine Mimik und Gestik, sondern auch der Tonfall, erinnert stark an den eines alten Butlers.

 

   Woher will er, wer auch immer er ist, wissen, was mir schmeckt, überlegt sie. Und wo zum Teufel ist er? „Warum lässt er mich hier so lange alleine?“, fragt sie lauter als gewollt.

 

   „Das weiß ich nicht, gnädige Frau. Der junge Herr hat mich während des Anrufs über seinen Aufenthalt im Unklaren gelassen. Er hat mir nur aufgetragen, Ihnen etwas auszurichten.“ Bevor sie fragen kann, um welche Nachricht es sich handelt, fährt er fort. „Seine Verspätung wird nicht allzu lange dauern. Sie möchten trotzdem schon mit dem Essen beginnen, gnädige Frau.“

 

   „Aber ...“

 

   Der Kellner dreht sich um und geht.

 

   Tolles Date, denkt Judith enttäuscht. Sie fühlt sich unbehaglich, ignoriert aber das Bauchgefühl. Schließlich ist es unhöflich, einfach aufzustehen und zu gehen, obwohl sie bisher kein einziges Wort mit ihrer Verabredung gewechselt hat. Also beschließt sie, zu bleiben. Wenigstens noch eine halbe Stunde. Wenn er bis dahin nicht aufgetaucht ist, verschwinde ich.

 

   Mit einem unüberhörbaren Knurren meldet sich ihr Magen. Sie greift zum Glas und nimmt einen kräftigen Schluck. Die Flüssigkeit in ihrem Mund schmeckt nicht nach Wein, sondern eher metallisch und leicht salzig. Es schmeckt nach ... Blut. Igitt! Prompt spuckt sie das Gesöff zurück. Anschließend schaut sie sich hilfesuchend nach dem Kellner um.

 

   Der Gastraum ist menschenleer.

 

   Komisch. Eben war er doch da, neben dem Eingang?! Bevor sich Judith auf die Suche nach ihm macht, will sie erst den widerlichen Geschmack loswerden. Wasser! Wo ist welches, um mir damit den Mund auszuspülen. Während sie sich erneut nach allen Seiten umschaut, streift ihr Blick das Gedeck vor sich. Zur gleichen Zeit meldet sich ihr Magen noch einmal mit einem drängenden Knurren. Was da wohl drunter ist?

 

   Das Spiel des Klavierstückes, sowie seine Lautstärke nehmen jetzt an Intensität zu.

 

   Obwohl eine innere Stimme sagt: ᾿Tu es nicht᾿ hebt Judith die Cloche hoch. Keine zwei Sekunden später bereut sie, es getan zu haben. Was sie sieht, ist alles andere, aber nicht lecker.

 

   Auf dem Teller befindet sich ein großer Haufen wuselnder, in sich schlängelnder Insekten. Würmer! Maden! Nicht jene, die in bestimmten Lokalen als Delikatesse angepriesen, frittiert und zum Verzehr angeboten werden. Nein! Es sind die glitschigen, dicken, fetten, bräunlichen oder weißen Vielfraße, welche sich im verwesenden Fleisch am wohlsten fühlen.

 

   Erschrocken und mit vor Ekel verzerrtem Gesichtsausdruck springt sie auf. Der Stuhl kippt so schnell um, dass die Lehne mit einem lauten Knall auf dem Boden landet. Judith will gehen, kommt aber nicht weit. Plötzlich steht jemand vor ihr und versperrt den Weg. Es ist der Kellner. Sie schaut ihn vorwurfsvoll an und ist entsetzt. Dieser Mann hat nichts mit dem gemeinsam, der sie noch vor ein paar Minuten bedient hat. Im Gegenteil.

 

   Der einst akkurat sitzende Anzug hängt jetzt schmutzig und zerlumpt über seine breiten Schultern. Vom blütenweißen Hemd ganz zu schweigen. Zudem ist es mit zahlreichen Stockflecken übersät. Das Gesicht  ̶  eine einzige Totenfratze. Ohne Haut und Haare. Aus dem von Zahnstumpen besetzten Mund dringt fauliger Atem. Und wo sich einmal der Knorpel des Nasenrückens befand, klafft nun ein Loch. Starr blickt der Kellner vor sich hin. Es sieht furchterregend aus.

 

   Ihr wird schlecht. Als er sich langsam nach vorne beugt, befürchtet sie, dass ihr seine Augäpfel entgegen fallen und ...

© Katy Buchholz


Ein Blick hinter die Kulissen

Krimi der Delmenhorster Schriftstellerin Katy Buchholz
Foto: Katy Buchholz
Krimi der Delmenhorster Schriftstellerin Katy Buchholz
Foto: Katy Buchholz

Um den Kellner so anschaulich wie möglich beschreiben zu können, habe ich mir dieses Bild zur Hilfe genommen. Ob es gelungen ist, können nur Sie beurteilen.


 

Wer jetzt neugierig geworden ist, aber nicht mehr warten kann, bis das Buch veröffentlicht wird, für den habe ich einen Buchtipp (Button anklicken) zum Zeitvertreib. 



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