Schreibblockade 2. Teil

Delmenhorster Schriftstellerin Katy Buchholz sitzt vor dem Computer und ist verzweifelt, weil sie eine Schreibblockade hat.
Foto:Peter Buchholz / Collage: Katy Buchholz

Im letzten Monat hatte ich eine Umfrage zum Thema Schreibblockade  ̶  wie gehe ich damit um? gestartet.

Der Blogartikel kam so gut an, dass ich mich zu einem 2. Teil entschloss. Erneut klopfte ich bei lieben Freunden und Bekannten an, ob sie Zeit und Lust haben. Fünf weitere Autor/innen und Bloggerinnen haben sich bereit erklärt, meine Fragen zu beantworten.


Petra Schier

Autorin Petra Schier

 

 

... schreibt neben historischen Romanen auch regionale Agententhriller unter dem Pseudonym "Mila Roth".


1. Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?

Ja, und nicht nur einmal. So etwas kommt immer wieder mal vor, dauert bei mir aber meistens nur ein paar Tage. In der Regel bedeutet bei mir eine Schreibblockade, dass etwas mit der Geschichte und/oder den Figuren nicht oder noch nicht stimmt. Dass etwas noch nicht richtig rundläuft oder ich etwas nicht richtig bedacht habe. Sobald mein Unterbewusstsein das Problem gelöst hat, löst sich auch die Blockade in Luft auf.

2. Wie gehst du damit um?

Damit mein Unterbewusstsein sich des Problems annehmen kann, lasse ich den betreffenden Text liegen und mache möglichst etwas ganz anderes. Am besten etwas, dass überhaupt nichts mit Schreiben zu tun hat. Gartenarbeit, kochen, backen, mit dem Hund spazieren gehen und/oder spielen, bügeln. Sehr oft hilft es mir auch, einfach auf die Couch zu gehen und einen Film (oder mehrere) oder ein paar Folgen meiner Lieblingsserien auf DVD zu schauen. Dadurch lenke ich mich ab und setze offenbar gleichzeitig kreative Energien frei, die mir dabei helfen, die Probleme mit meinem Manuskript in den Griff zu bekommen. Irgendwann platzt dann der Knoten in meinem Kopf und ich kann wieder schreiben.

3. Lassen sich Schreibblockaden vermeiden?

Nein, ich glaube nicht. Zumindest nicht in meinem Fall, und das ist auch von mir gar nicht so wirklich erwünscht, denn durch die Blockade teilt mir mein Unterbewusstsein ja mit, dass da noch was mit meiner Geschichte nicht stimmt. Schreibblockaden sind zwar unangenehm, vor allem, wenn ein Abgabetermin drückt, aber gleichzeitig auch nützlich und ein Bestandteil des kreativen Prozesses.

Eher würde ich sagen, dass man einfach lernen muss, mit Schreibblockaden umzugehen. Jeder Schreibende wird da seinen eigenen Weg finden (müssen), denn ein Patentrezept gibt es nicht.


Werner Thieke

 

 

 

... schreibt Kinderbücher, Märchen, Krimis, Western, Kurzgeschichten und Lyrik.

Autor Werner Thieke

1. Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?

Ich glaube, Schreibblockade ist nicht der richtige Ausdruck. Natürlich kommt es vor, dass man mal über einen passenden Anschluss nachdenken muss. Da ich aber immer an mehreren Projekten arbeite, kann ich immer irgendwo einen neuen Einstieg finden und zu einem späteren da fortfahren, wo ich zuletzt aufgehört habe. Für mich ist schreiben nicht alles, es gibt noch andere Dinge im Leben.

2. Wie gehst du damit um?

Es kommt vor, dass ich manchmal Tage, ja sogar wochenlang nicht schreibe, denn immerhin hat meine Arbeitswoche 65 – 70 Stunden und auch mein letzter Urlaub liegt jetzt 18 Jahre zurück. Das sind für mich Gründe, meine Freizeit auch mit anderen Tätigkeiten zu füllen, z.B. Gartenarbeit oder die Pflege von Freundschaften oder einfach nur Fernsehen. Ich bin ein TV-Junkie und liebe Filme über Reisen, Natur, Dokus und/oder Reportagen.

3. Lassen sich Schreibblockaden vermeiden?

Für mich bedeutet Schreiben Freude, Spaß und Entspannung. Ein Grund für mich nur zu schreiben, wenn mir danach ist, dann aber mit ganzer Leidenschaft. Der kann es sehen, der sich meine Autoren-Website etwas genauer anschaut. In meinen verschiedenen Leseproben, auch der Projekte, an denen ich derzeit noch arbeite, findet er meine akribische Vielseitigkeit.


Theresa Hay

Autorin Thresa Hay

 

Mit dem Lieblingsspruch von Albert Einstein: »Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur in ihr zurechtfinden«, schreibt sie Tierbücher.


1. Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?

Ja, leider hatte ich auch schon Schreibblockaden ... Ich höre dann mit dem Schreiben auf, lenke mich ab, am besten mit Gartenarbeit oder Sport im Freien, laufe "um die Häuser" und versuche nicht ans Schreiben zu denken. Das kann auch mal einige Tage dauern ... Dann, wenn mir mitten in der Nacht wieder etwas Gescheites einfällt, setzte ich mich unverzüglich an meinen Laptop und bringe meine Gedanken zu Papier. Dann geht es meistens sehr flott. Wenn ich den Faden dann wieder habe, schreibe ich an den nächsten Tagen auch wieder zügig weiter.

2. Wie gehst du damit um?

Nur nicht zwingen. Die Gedanken müssen fließen, sie dürfen nicht gepresst aus dem Hirn kommen, sondern ganz von selbst ... :)

3. Lassen sich Schreibblockaden vermeiden?

Nein, Blockaden lassen sich m. E. nicht vermeiden. Ich leben ja nicht in einem abgeschotteten Turm, sondern muss mich auch um meinen Alltag mit all seinen Widrigkeiten kümmern. Diese Gedanken sind nicht gut für den Schreibfluss. Deshalb brauche ich dann manchmal Pausen und Schreiben bedeutet für mich auch Zeitarbeit.


Regina Störk

Autorin Regina Störk hält ein Buch in der Hand

1. Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?

Falls ich je eine Schreibblockade hatte, hab ich sie vielleicht nicht bemerkt. Oder es ist einfach schon so lange her, dass ich mich einfach nicht mehr daran erinnere? Schließlich bin ich alt ...

2. Wie gehst du damit um?

Für mich gab es da ein Schlüsselerlebnis: Ich hab lange als freie Journalistin gearbeitet. Rund 30 Jahre etwa. Eines Tages stand ich in der Redaktion und mein Tischredakteur sagte: „Schreibblockade? Ach was, wenn uns die Ideen ausgehen, ersetzen wir sie durch Technik, nicht wahr, Frau Störk?“ Dabei guckte er mich so an, als wüsste ich genau, was er meint. Ich hab ihm dann mal einfach geglaubt.

3. Lassen sich Schreibblockaden vermeiden?

Ja. Mein Redakteur damals hat mich zum Nachdenken gebracht. Und ich habe die richtige Technik für mich gefunden. Mir fällt der erste Satz nicht ein? Macht nichts. Fang ich eben mit dem Zweiten an. Ich finde die richtigen Worte nicht? Dann schreib ich genau das: „Ich finde die richtigen Worte nicht. Den ganzen Morgen hatte ich nichts anderes im Kopf als genau dieses Thema. Im Kopf hatte ich eigentlich schon den ganzen Text zusammen. Und nun sitze ich hier und mir fehlen die Worte. In meinem Text sollte es um ... gehen. Und um ... Irgendwie muss ich die Kurve kriegen zu ...“ So oder ähnlich. Ich schreibe einfach alles auf, was mir in den Kopf kommt. Völlig ungeordnet. Ohne auf Zusammenhänge, Stil, Zeichensetzung, Grammatik oder Rechtschreibung oder was auch immer zu achten. Ich schreibe jedes Wort auf, das mir in den Sinn kommt. Egal, ob es zum Thema passt oder ich gerade aus dem Fenster gucke und der Katze zuschaue, wie sie Sonnenstrahlen fängt. Und dann bin ich irgendwann im Fluss. In meinem Text, den ich eigentlich schreiben wollte. Und dann läuft’s wieder. Und wenn ich alle Gedanken als Textdatei gespeichert habe, wird sortiert, redigiert, umgeschrieben, geändert, gelöscht – eben ein richtiger Text draus gemacht. Natürlich schreibe auch ich nicht fortwährend. Manchmal muss ich schließlich raus. Etwas erleben. Damit ich neue Ideen für neue Themen finde. Aber immer habe ich Block und Bleistift in der Tasche. Für alle Fälle. Damit ich meine Ideen nicht vergesse, die mir unterwegs einfallen. Und wenn ich am Schreibtisch sitze und mir sonst so gar nichts einfällt, krame ich meine Zettel hervor und mach ein Konzept draus. Und manchmal wird das dann ein Tex.


Monika Rosenbaum

Autorin Monika Rosenbaum

 

... ist Autorin, Bloggerin und Kreativanimateurin.

Da sie selber eher zu den ruhigen und intro-

vertierten Menschen gehört, geht es auf ihrer Seite um das Thema Introversion.


1. Hattest du schon einmal eine Schreibblockade?

Oh ja. Die kenne ich sogar sehr gut. Und es gab mal eine Zeit, in der konnte ich mich da so richtig reinsteigern.

2. Wie gehst du damit um?

Ich habe festgestellt, dass sie schlimmer wird, je mehr ich versuche, sie zu bekämpfen. Wenn ich die Schreibblockade aber annehme, löst sie sich irgendwann von alleine wieder auf. Früher habe ich immer versucht, trotzdem zu schreiben. Dann hat aber irgendwann überhaupt nichts mehr funktioniert. Heute gehe ich raus. Gehe spazieren und vielleicht fotografieren und so bekomme ich dann auch wieder neue Inspirationen. Außerdem experimentiere ich im Moment sehr viel mit intuitivem Schreiben und Tagebuchschreiben. Auf diese Weise komme ich immer wieder neu in den Schreibfluss und die Blockaden haben seitdem auch nachgelassen.

3. Lassen sich Schreibblockaden vermeiden?

Ganz vermeiden lassen sie sich, glaube ich, nicht. Es kommt eben darauf an, wie man mit ihnen umgeht.


Ich bedanke mich bei Petra Schier, Werner Thieke, Theresa Hay, Regina Störk und Monika Rosenbaum für die Beantwortung meiner Fragen und das zur Verfügung gestellte Bildmaterial.

© Katy Buchholz


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