Für mich als Schriftstellerin fühlt es sich wie eine Ewigkeit an, bis endlich eine ersehnte Rückmeldung von Verlagen, Literaturagenturen, Bloggern oder Rezensentinnen ins Haus flattert. Diese Zeiten des Wartens und Hoffens sind oft geprägt von einer Ungewissheit, die sich endlos hinzuziehen scheint – beinahe so, als würde man klebrigen Kaugummi dehnen. Währenddessen kreist der Kopf unaufhörlich um dieselben Fragen: Wird das eingereichte Manuskript überhaupt gelesen? Findet die eigene Arbeit Anerkennung? Oder bleibt sie ungesehen und ungehört?
Es gibt eine Sache, die zunehmend Teil der modernen Kommunikationskultur geworden zu sein scheint: das sogenannte „Ghosting“. Keine Antwort, kein Kommentar, nicht einmal eine kurze Absage – stattdessen schlichtweg Schweigen. Dieses Schweigen erzeugt ein Vakuum, das Erwartungen und Hoffnungen allmählich in Resignation übergehen lässt. Manchmal fühlt es sich an wie eine unsichtbare Prüfung der Geduld und Belastbarkeit, der ich mich widerwillig stellen muss, während mein beruflicher Fortschritt von der Willkür anderer abhängt. Von einer Mehrheit der Literaturagenturen und Verlage erhalte ich immerhin eine Rückmeldung, wenngleich es häufig Absagen sind. Dennoch schätze ich die Mühe einer Antwort, auch wenn ich mir eine positive gewünscht hätte.
In ganz anderer Weise gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Bloggern und Rezensenten. Oft erlebe ich, dass diese zwar zusagen, meine Bücher lesen und rezensieren oder auf ihren Kanälen bewerben zu wollen, doch sobald sie das Rezensionsexemplar – sei es als Printausgabe oder eBook – erhalten haben, bleibt es still. Ich höre nichts mehr von ihnen. Natürlich kann ich nicht alle über einen Kamm scheren; es gibt Ausnahmen. Aber leider scheint der Anteil derjenigen, die sich nicht mehr melden, kontinuierlich zu wachsen. Oder habe ich einfach das Pech, immer wieder an die falschen Personen zu geraten?
Mir ist bewusst, dass bei der Vielzahl an Nachrichten meist nur die wirklich spannenden eine Antwort erhalten. Aber hinter jeder Anfrage stecken Menschen mit Gefühlen. Daher wünsche ich mir, dass der Austausch persönlicher wird und wir mehr aufeinander eingehen. Aber vielleicht ist das einfach nur der Traum einer Optimistin.
Was löst all das unaufhörliche Warten, gepaart mit der nie endenden Hoffnung in mir aus? Es schürt die Zweifel, die tief in meinem Inneren schlummern. Wie ich diese endlich loswerde, habe ich bisher nicht herausgefunden. Gleichzeitig höre ich immer wieder von meinem Umfeld, dass es keinen Anlass gäbe, auf diese Weise zu fühlen, meine Sorgen seien unbegründet. Trotzdem bleiben die Zweifel hartnäckig und finden immer wieder ihren Weg zurück in mein Bewusstsein.
Was denken Sie darüber? Haben Sie selbst schon einmal erlebt, von jemandem geghostet zu werden? Und wenn ja, welche Spuren hat das bei Ihnen hinterlassen? Hat es die Art und Weise verändert, wie Sie mit anderen Menschen umgehen oder wie Sie sie selbst wahrnehmen?
© Katy Buchholz
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